Von Benjamin Gahlinger

Urs Martin, SVP-Kantonsrat aus Romanshorn, will für den in den Ständerat gewählten Regierungsrat Jakob Stark nachrücken. Im Interview erklärt er, wie er die Wahl bewerkstelligen will.

Herr Martin, haben Sie die Wahl in den Regierungsrat bereits mit der offiziellen Nomination als SVP-Kandidat am 14. November geschafft?

Urs Martin: Nein, das wäre vermessen, zumal es mittlerweile zwei Gegenkandidaturen gibt und es daher nicht sicher ist, dass ich gewählt werde. Ich habe Respekt vor der kommenden Wahl. Ob ich gewählt werde, sehen wir am 15. März 2020.

Sie sind seit 2008 im Grossen Rat. In dieser Zeit fielen Sie mitunter auch als Hardliner auf, mittlerweile attestieren Ihnen Politiker von ausserhalb der SVP, dass Sie sich in eine Kollegialbehörde integrieren könnten. Trauen Sie sich dies auch selbst zu?

Wenn ich mir das nicht zutrauen würde, hätte ich nicht für das Amt kandidiert! Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich in der Lage bin, diesen Wechsel zu vollziehen. Das beste Beispiel ist mein Präsidium der Justizkommission, für welches ich von allen Seiten für meine Amtsführung gelobt wurde. Als Kantonsrat hat man eine andere Aufgabe wie ein Regierungsrat.

Haben Sie, im Falle einer Wahl, Respekt vor dem Rollenwechsel?

Es ist eine andere Aufgabe, aber Respekt habe ich insofern, weil ich erst abschliessend beurteilen kann wie die Arbeit als Regierungsrat ist, wenn ich gewählt würde. Ich traue mir das aber zu und würde mich auf diese Herausforderung freuen insbesondere, weil ich auf grosse Führungserfahrung mitbringe und so dem Kanton einen Dienst erweisen könnte.

Haben Sie den Wandel vom «Jungen Wilden» oder Hardliner zum Regierungsratskandidaten bewusst vollzogen?

Zu Beginn meiner Zeit im Grossen Rat vor 12 Jahren hätte ich mir das Regierungsratsamt nicht vorstellen können, «bloss nicht», hätte ich damals wohl gedacht. Mir hat es Freude gemacht, im Kantonsrat Vorstösse einzureichen und auch mal kritisch zu sein. Schlussendlich geht es darum, den Kanton vorwärts zu bringen. Die Erkenntnis, dass ein Regierungsamt spannend sein könnte, hat sich dann nach fünf oder sechs Jahren langsam durchgesetzt. Ernsthafte Gedanken habe ich mir aber erst nach Jakob Starks Rücktrittsankündigung im letzten August gemacht.

Um am 15. März als Nachfolger von Jakob Stark in die Regierung gewählt zu werden, brauchen Sie stimmen von ausserhalb der SVP. Wie gehen Sie das an?

Meine politische Heimat ist zwar die SVP, aber als Regierungsrat will ich für den ganzen Kanton da sein. Dementsprechend präsentiere ich mich bei allen Parteien und die Rückmeldungen zeigen mir, dass man mir das Amt zutraut und auch eine gewisse Wertschätzung gegenüber meiner Kandidatur vorhanden ist selbst dann, wenn man politisch mit mir nicht einer Meinung ist.

Ihre Wahl wäre gleichbedeutend mit einer Abkehr von der Privatwirtschaft.

Ich habe einen spannenden Job, aber ich denke, das Leben ist dazu da, dass man Chancen, die sich bieten, auch packt. Ausserdem müsste es ja nicht eine Abkehr für immer sein, ich bin erst 40 Jahre alt.

Aufgrund Ihrer Laufbahn dürften Sie auf das freiwerdende Departement für Finanzen und Soziales von Jakob Stark schielen, welches auch das Amt für Gesundheit beinhaltet.

Als neues Mitglied in der Regierung nimmt man, was übrigbleibt. Ich bin offen für alles. Wenn man einen Blick auf meine Vorstossliste wirft, sieht man, dass meine Themen über alle Departemente hinweg breit gefächert sind.

Oberthurgauer Nachrichten vom Donnerstag, 23. Januar 2020, Seite 4